Du wirst gemobbt? Gratuliere!

Der Titel erstaunt dich? Das verstehe ich. Vieles im Leben ist nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Wenn du ein Mobbing-Opfer bist oder warst, bedeutet es nichts Anderes, als dass du authentisch bist. Wer authentisch ist, besitzt Stärke und Macht. Und das macht manchen Menschen Angst.

 

Authentizität bedeutet Einzigartigkeit – ein mutiges Aus-der-Reihe-Tanzen. Doch Menschen, die aus der Reihe tanzen, muten nicht selten fremd an. Und alles, was fremd ist, bereitet Angst, sodass andere in Versuchung kommen, das Fremde zu vereinheitlichen. Um dies zu erreichen, schwächen sie einen körperlich und psychisch. Oder besser gesagt: Sie grenzen Menschen aus.

 

Für diesen Blogbeitrag musste ich kein Buch lesen und keine Recherche betreiben. Dieser Beitrag kommt direkt aus meinem Leben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, ausgegrenzt, ausgelacht und als Kind auf dem Pausenplatz verhauen zu werden.

 

Solche Wunden sitzen tief und verhindern den Aufbau eines stabilen Selbstwerts, wenn sie nicht geheilt und integriert werden.

Mobbing

Lass dich mitnehmen auf eine kleine Reise durch mein Leben.

Es war einmal vor rund 40 Jahren, da wurde ein Mädchen in der Schweiz geboren. Es war ein Kuckuckskind. Dessen Mutter stammte aus Sizilien, einer zauberhaften und gleichzeitig gnadenlosen Insel im Süden Europas. „Auf einer Insel ist jeder Mensch eine Insel für sich“, pflegte sie stets zu sagen. Und damit hatte sie recht.

 

Die Umstände, in die das Mädchen hineingeboren wurde, galten nicht als gewöhnlich: Ein Seitensprungkind mit einer Mutter aus einem anderen Land. Die Tatsache, dass Menschen schon immer auf Wanderschaft gewesen waren und somit statistisch jedes fünfte Kind ein Kuckuckskind war, spielte für die Klatschmäuler keine Rolle.

Schon in der Vorschulzeit fiel dieses kleine Mädchen durch seine Andersartigkeit auf. Durch seine großen dunklen Augen, schwarzen Haare und sein eigenwilliges Wesen. Es war ein Liebe-oder-hasse-mich-Mädchen, das von Anbeginn seines Lebens polarisierte, ohne es zu wollen.

 

Irgendwann lernte das Mädchen seinen leiblichen Vater kennen. In dieser Beziehung erhielt es über viele Jahre hinweg eine weitere Lektion im Ausgegrenztwerden.

Ihr Vater hatte zwischenzeitlich eine eigene Familie gegründet. Seine Ehefrau verbot ihm jeglichen Kontakt zu seiner ausserehelichen Tochter und ihrer Mutter. So trafen sich Vater und Kind – und daran änderte sich bis heute nichts – stets heimlich. Das Damoklesschwert der Angst, erwischt zu werden, hing immer über des Vaters Kopf. Das Mädchen lernte nie seine Halbgeschwister kennen, durfte nie ein Enkelkind seiner Großmutter werden. Es war eine schmerzvolle Lehre. Und so entstand im Mädchen das Gefühl, ein Fehler des Universums zu sein.

 

Als das Mädchen in den Kindergarten gekommen war, begann die nächste Lektion der Ausgrenzung. Kinder stehen den Erwachsenen in puncto Grausamkeit in nichts nach. Von da an war es für die nachfolgenden 7 Jahre an der Tagesordnung, ausgelacht, beschimpft oder verhauen zu werden.

 

Das Mädchen wurde fast täglich nach Schulschluss von einer Gruppe Mitschülerinnen auf dem Weg nach Hause aufgelauert. Es war ein Ritual, dessen Ablauf von kleinen Abweichungen gekennzeichnet war. Mal lachten sie es nur aus, mal beschimpften sie es als Hure, Schlampe oder Streberin, mal kamen Ohrfeigen hinzu, und manchmal schlugen sie einfach auf das Mädchen ein. Die Lehrer sahen die Angst und die Sorgen des Mädchens nicht.

 

An einem Tag, der sich besonders in das Gedächtnis des Mädchens eingebrannt hatte, ging es um die Kleidung. Seine Mutter, die für gewöhnlich vielmehr mit sich selbst als mit dem Kind beschäftigt war, nahm sich Zeit und ging mit ihm Kleider kaufen. Das war für das Mädchen ein großes Ereignis! Die Kleider waren für das Mädchen mehr als nur Kleider – sie waren ein Geschenk der Liebe seiner Mutter. Voller Freude zog das Mädchen die Kleider an – rote Schlaghose und ein rotes Shirt mit rauschendem Kragen – und ging damit zur Schule.

Mit dieser Aufmachung fiel es sofort auf. Bereits in der großen Pausen wurde es dafür beschimpft und geschlagen. Später kamen die anderen Mädchen mit den Scheren und schnitten die Hose „zurecht“. Das war nicht nur demütigend, das war ein Sakrileg! Denn sie zerstörten ein Symbol der Mutterliebe.

 

So entschied sich das Mädchen, nicht mehr zur Schule zu gehen. Die Eltern gaben zuerst dem Kind die Schuld, fragten, was es getan habe, weshalb man es so behandle. Doch als sich das Mädchen in sein Zimmer eingeschlossen und einen Schulstreik angekündigt hatte, begannen sie ihm zu glauben. Sie organisierten einen Wechsel in eine Privatschule. Allerdings erst in einigen Monaten. Da lernte das Mädchen eine weitere Lektion: durchhalten.

 

Nach dem Schulwechsel begann für das Mädchen ein neues Leben. Aus ihm wurde eine Jugendliche. Doch sie blieb wie sie gewesen war: speziell, außergewöhnlich und komisch. Auch am neuen Ort störte sie einige MitschülerInnen. Es gab auch hier die Coolen und die Uncoolen, zum Glück jedoch in einer abgeschwächten Form. Es war irgendwie okay.

 

Während der Ausbildung in einer Privatbank war sie auch die „Spezielle“, die Unangepasste. Die „Uniformiertheit“ gehörte dort zum Tagesgeschäft. Es war ein Schock: Das ist also unser Leben, unsere Gesellschaft? Es war ein böses Aufwachen aus einer Kinderwelt, in der sie bisher gelebt hatte. Und obwohl sie hier toleriert und geschätzt wurde, blieb sie ein Fremdkörper an diesem Ort. So färbte sie sich die Haare rot, trug komische Kleidung und rülpse in unangebrachten Situationen.

Die Rebellin in ihr war erwacht. Sie nutzte jede Gelegenheit, um sich auszutoben, was ihr vor allem auf Festivals, Partys und im Kampfsport gelang. An diesen Orten sind alle Menschen für eine bestimmte Dauer in einem Ausnahmezustand. Und da die junge Frau nicht in einem Ausnahmezustand war, sondern einen Ausnahmezustand verkörperte, fühlte sie sich dort rundum wohl. Sie lernte aufregende Menschen kennen und fand mehr und mehr ihrer „Artgenossen“. Über die Jahre formte sich in ihrem Leben ein Freundeskreis aus Außenseitern, Kreativen, Freaks …

 

Doch tief in ihr blieb der Schmerz des Nicht-richtig-Seins, des Ausgegrenztseins. Und dieser Schmerz holte sie immer wieder ein, wenn sie lange an einem Ort blieb. Bei jeder Arbeit, der sie nachging, kam früher oder später der Tag, an dem über sie geredet wurde. Entweder weil sie zu viel oder zu wenig sagte oder zu unnahbar oder zu distanzlos auftrat, mal war sie zu laut, mal zu leise, mal kleidete sie sich zu eigenartig, mal zu angepasst, sie war entweder zu geschmeidig oder zu garstig, zu gefällig oder zu egoistisch, sie drehte sich ihre Zigaretten selbst und saß im Pausenraum im Meditationssitz auf dem Stuhl, ihre Sprache war zu fresh oder zu frech … Man tratschte, weil sie einfach war.

 

Was war es an ihr, das die Menschen verängstigte? Was war es, das Neid hervorrief? Was war es, das andere dazu brachte, mit dem Finger auf sie zeigen? Sie verstand es nicht.

Sie machte sich vor langer Zeit auf den Weg, um sie selbst zu werden, ihre Visionen zu suchen, zu finden, umzusetzen, zu verlieren und wieder von vorne zu suchen … Ein Feuer brannte in ihr, ein Feuer, das sie antrieb. Feuer ist Macht und Macht macht Angst. Sie akzeptierte, dass sie niemals dazugehören würde, und erlangte Freiheit. Im Inneren und Äußeren. Durch diese Freiheit fand sie zu ihrem Selbst. Sie sagte, was sie wollte, und tat, was sie für richtig hielt. Selbstverständlich ohne jemandem absichtlich zu schaden. Denn …

 

Sie machte sich auf den Weg, um auch das Menschsein zu erkunden, in die Tiefen der Psyche und die hellen Hallen der Seele zu blicken. So erkundete sie ihren Schmerz und erhielt dabei Wissen und eine Prise Weisheit. Und das wiederum löste eine Angst aus. Menschsein zu kennen ist nichts für Feiglinge.

Angst treibt die Menschen zu unbewussten und verletzenden Handlungen. Anstatt sich zum Visitieren hinreißen zu lassen, bleibt der Durchschnittsmensch in seinem Angestelltendasein und jammert und meckert. Da kann man niemanden brauchen, der einem täglich vorlebt, wie man seinen Visionen folgt.
Anstatt sich auf den Weg zu mehr Freiheit und Selbstermächtigung zu begeben, ist man lieber empört über die Freiheit einer Person, die sagt und tut, was sie für richtig hält, und bleibt in der bequemen Opferrolle.

 

Anstatt von dem Bisschen vorhandenen Weisheit zu profitieren, macht man sie nieder und sagt, es sei alles nicht wahr.
Anstatt das Geschenk des Gesehenwerdens anzunehmen und als Mensch darin zu ruhen, muss der Sehende attackiert und geschwächt werden.

 

Aber was sollst du nun mit dieser Geschichte anfangen? Diese Geschichte soll dir vermitteln, dass du in deinem Ausgegrenztsein nicht alleine bist. Es gibt viele wie dich.

 

Diese Geschichte soll dich motivieren, deinen eigenen Weg zu gehen, egal, wer was dazu sagt. Irgendjemand findet dich oder das, was du tust, immer doof oder abwegig. Diese Geschichte soll dich erinnern, dass es ein Geschenk ist, einzigartig zu sein und diese Einzigartigkeit zu zeigen, zu leben und manchmal auch zu zelebrieren. Einzigartigkeit ist nichts Absonderliches. Sie ist ganz normal und es ist gesund, sich selbst zu entdecken und zu leben.

Denn was tat und tut diese Frau: Es blieb ihr nichts anderes, als einen ganz eingenen Weg zu gehen. Und siehe da… dort findet sie ihr Glück!

 

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Was kann du tun, wenn du als Erwachsene Mobbing erlebst?

Heile deine Wunden

Mir ist klar, dass dies nicht von heute auf morgen geht. Heilreisen sind komplexe Prozesse. Unsere Ursprungswunden sind in der Zeit zwischen der Empfängnis und unserem achten Lebensjahr entstanden. Wenn du diese Wunden heilst, wird dir das Thema als Erwachsene nicht mehr begegnen. Da geht es um Annahme, Integration, Liebe, Schattenarbeit, Traumaheilarbeit und vieles mehr. Wir leben auf einem Lernplaneten und lernen und entwickeln uns stetig. Du findest in diesem und anderen Blogs viele Inspirationen für deinen eigenen Heilungsweg…

Erschaffe dir ein wohlwollendes Umfeld

Werde dir bewusst: Ursprünglich bedeutete es für uns den Tod, aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden. Heute ist das nicht mehr so, denn es ist nicht mehr allein die Sippe, sondern die Nation, die uns schützt und unterstützt. Du stirbst nicht, du verhungerst nicht, du gehst nicht unter. Stattdessen machst du dich frei von Menschen, die dir nicht wohlgesinnt sind. Stattdessen kannst du dich auf die Suche nach Menschen machen, dir dir Gutes wollen. Suche deine Seelenfamilie, echte Freunde.

 

Dazu musst du Folgendes in Erfahrung bringen:


Was bedeutet Freundschaft für dich?

 

Was wünscht du dir von den Menschen, die dir nahe sein sollen?


Wie nahe darf dir ein Mensch kommen?

 

Wer darf dir wie nahe kommen?

 

Was sind deine Werte in einer Freundschaft?

 

Was hast du zu geben (und du hast viel zu geben – glaube mir!)?

 

Was ist dir wichtig in einer Beziehung?

Verlasse die vergifteten Orte und Menschen

Trenne dich von Menschen, die dich schwächen und vergiften. Gift gibt es nicht nur in materieller Form. Menschen, die unfreundlich sind, gemein, schroff, gewalttätig im psychologischen oder physiologischen Sinne.

 


Verlasse Arbeitsplätze, an denen du gemobbt, ausgegrenzt und nicht wertgeschätzt wirst, verlasse Vereine oder Tanzgruppen, an denen du schikaniert wirst, wo es darum geht, wer besser oder schöner ist. Es hat keinen Sinn, dort zu verweilen. Meide alles, was dir das Gefühl gibt, nicht gut genug zu sein oder mit dir stimme etwas nicht.

 

Wenn du nicht sicher bist, ob eine Trennung angesagt ist, dann frage dich: „Was würde ich dem Menschen in dieser Situation raten, den ich am allermeisten liebe?“ Dann hast du deine Antwort.

Pflege deine Selbstliebe

Dazu gibt es Tausende von Übungen im Netz. Hier eine kleine Auswahl:

 

Schau in den Spiegel und sage dir, was dir an dir gefällt.

 

Pflege deinen Körper, gönne ihm eine Massage.

 

Achte auf deine Gedanken: Wenn du schlecht über dich denkst oder dich verurteilst, höre dir zu, nimm es an, dann las es los und frage dich: Ist das wahr, was ich da von mir denke? Könnte auch das Gegenteil möglich sein? Dann spiele mit dem gegenteiligen Gedanken, bis er dir gefällt. Du brauchst nicht direkt von: „Ich finde mich scheiße!“ zu „Ich finde mich toll!“ wechseln. Gehe Zwischenritte wie: „Ich ziehe in Betracht, mich gut zu finden.“ Später dann: „Ich finde mich von Tag zu Tag ein bisschen besser.“ Bis hin zu: „Ich bin toll!“. So machst du dir keinen Druck.

 

Lerne, Nein zu sagen, lerne Ja zu sagen. Werde dir bewusst: Wenn du Nein sagst, ist es ein Ja zu dir.

 

Schreibe dir einen Liebesbrief. Lass es sich selbst einfach schreiben. Fang mit kleinen Dingen an. Zum Beispiel: „Liebe XYZ, ich mag deinen Apfelkuchen so gern. Und ich finde, du schreibst schön.“ Eines Tages wird daraus vielleicht sogar: „Du bist die Liebe meines Lebens und ich tue alles für dich.“

Arbeite an deinem Selbstwert

Das Wichtigste für mich in Bezug auf Selbstwert ist: Du bist wertvoll, egal was du tust, wer du bist und wohin du gehst, wie viel du hast und was du denkst. Dein Wert ist naturgegeben und von allem völlig unabhängig!

Auch dazu gibt es Tausende von Übungen und ich habe zu diesem Thema einen separaten Blogbeitrag verfasst.

Eine Unterstützung dafür kann sein, dass du dir jeden Abend einen Moment Zeit nimmst und dir überlegst, was du heute alles gut gemacht hast, was dir alles gelungen ist, worin du heute wirklich gut warst und was dir an dir gefallen hat.

 

Dieser Artikel kann niemals zu Ende geführt werden… es gibt tausende Geschichten, tausende Varianten und Möglichkeiten… Ich freue mich, wenn du deine Variante mit mir teilst!

Eine Empfehlung

Zum Thema Ausgrenzung und was sie mit uns machen kann, habe ich für dich eine Filmempfehlung: „Joker“ – nichts für schwache Nerven!

 

Trailer JOKER

 

Ein Masterpiece!

Lieber hören statt lesen? Hier der Blogcast zum Text

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