Schatten und Schattenarbeit

Was bedeutet Schatten?

Wie es den Tag und die Nacht gibt, so tragen wir auch Helligkeit und Dunkelheit in uns. Der Schatten beschreibt einerseits unsere dunklen, ungeliebten Aspekte, für die wir uns schämen, die wir ignorieren und verstecken. Anderseits unsere Träume und wünsche, die wir uns nicht eingestehen oder schon lange vergessen haben, weil sie uns unerfüllbar erscheinen.

Mystisch gesehen ist der Schatten eine weibliche Qualität: Rückzug, inneres Erleben und Stille. Bevor wir ins Licht treten, braucht es immer diese Phase der Einkehr. Ich kann es dir erklären an der Entstehung des Universums.

Am Anfang war es dunkel. Aus dieser Dunkelheit, die sich zusammenzog auf ihren Nullpunkt, ist der Urknall entstanden. Daraus entstanden Dunkelheit und Licht und alles, war wir darin kennen.  Übertragen auf den Menschen: Im Schatten ist das maximale Potential vorhanden.

Schattenarbeit Schatten

Wenn du den Gedanken weiterführst, ist Dunkelheit also unser Urzustand. Wollen wir uns an unsere Göttlichkeit, an unseren Urzustand erinnern, so führt uns der Weg unweigerlich durch unsere Schatten. Nach einer gewissen Zeit in der Dunkelheit geschieht in uns unser Urknall. Und wir entdecken unser Licht.

Woher kommt unser Schatten?

Die meisten unserer Schatten sind in unserer Kindheit entstanden. Wir haben uns Glaubenssätze und Verhaltensweisen zugelegt, die unser Überleben als Kleinkind gesichert haben. Ein Beispiel: Wir haben unsere Wut unterdrückt, denn unsere Mutter hat uns mit Liebesentzug gestraft, wenn wir wütend gewesen sind. So fehlt uns heute ein gesunder Zugang zur Wut.

Wir wurden aber nicht nur für unsere unerwünschten Gefühle bestraft, sondern auch für unsere Wildheit, unsere Lebensfreude unsere Ekstase. Und so bändigten wir uns.

All unsere verdrängten Aspekte bilden unseren Schatten. Die Aspekte sind zwar nicht in unserem Tagesbewusstsein, doch sind sie immer noch da.

Warum lohnt es sich, unsere Schattenanteile zu befreien?

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Zum einen weil in unserem Schatten unser ganzes Potential steckt, unsere Lebensaufgaben und wertvollste Perlen verborgen sind. Je mehr Schattenaspekte wir in unser Bewusstsein holen, desto mehr Power und Lebensfreude erhalten wir. Wir werden freier, authentischer, lebendiger, kraftvoller, und unsere innere Balance und Ruhe nehmen zu.

Zum anderen weil unsere Schattenaspekte uns nicht in Ruhe lassen. Wir können sie nicht vollumfänglich von uns trennen. Zum Glück suchen sie ihre Ventile, ihre Wege in unser Tagesbewusstsein und „stören“ uns.

Wie zeigen sich unsere Schatten im Alltag?

Autoaggression:

Selbstzweifel, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, komisch zu sein, hässlich zu sein, irrationale Ängste haben, immer wieder die gleichen Beziehungsmuster stricken („Immer treffe ich auf die gleichen Arschlöcher!“) etc.

Destruktive Beziehungsmuster:

Wir projizieren unsere verdrängten Anteile an andere und dies schafft Konflikte. Wir fühlen uns nicht gehört, nicht gesehen und nicht geliebt. Wir fühlen uns einsam. Der Schmerz der Trennung ist unser Urschmerz. Und ohne Schattenarbeit bleiben wir darin gefangen.

Des Weiteren zeigt sich unser Schatten durch unsere Verachtung für andere. Was wir an anderen nicht mögen oder ablehnen, sind Anteile an uns, die wir nicht zu akzeptieren vermögen und sie deshalb in unser Unterbewusstes verbannt haben.

Fragmentation:

Das Äußere korrespondiert immer mit dem Inneren: Spaltest du Aspekte von dir ab, grenzt du dich von den Aspekten der äußeren Welt ab. Du fühlst dich dumpf, abgeschnitten, einsam. Diese Abspaltung – Fragmentation – füllst du mit süchtigem und selbstzerstörerischem Verhalten.

Stell dir dein Schatten als ein Baby vor. Das Baby schreit. Wenn du es unbeachtet lässt, schreit es immer lauter. Es braucht dringend deine Aufmerksamkeit. Es schreit und schreit…

Wenn du hingegen zu dem schreienden Baby hingehst und ihm deine Aufmerksamkeit schenkst, dann wird es sich beruhigen und aufhören zu schreien.

Natürlich hört auch das Baby, das du ignorierst, irgendwann auf zu schreien. Das heißt übertragen: Du hast einen weiteren Teil von dir so konsequent ignoriert, dass er sich abgespaltet und in dein Unterbewusstsein zurückgezogen hat. Hart ausgedrückt ist das ein Selbstmord auf Raten. Das innere Absterben deiner Persönlichkeit sozusagen, während dein Körper weiterhin seine Runden dreht. Ich glaube, du kannst erahnen, wie sich das anfühlt – weil du ein Mensch bist.

Was ist mit Schattenarbeit gemeint?

Damit ist ein Prozess der Selbsterkenntnis gemeint. Es bedeutet, dass du Schritt für Schritt deine verdrängten Aspekte aus deinem Unterbewussten hervorholst. Du erkennst dich selbst wieder und wirst „ganzer“. Auf diesem Weg kommst du mit dir ins Reine und kannst schöpferisch auf dein Leben einwirken. Du wirst die Gestalterin deines Weges und bist nicht mehr dem Schicksal, der Gesellschaft und den Launen anderer ausgesetzt. Du verlässt die Opferrolle und betrittst den Weg der Selbstermächtigung.

Was braucht es für Schattenarbeit?

Schattenarbeit ist für mich der Weg vom Kopf in das Herz. Ein Schlüssel dazu sind die Hingabe und Akzeptanz, an das und von dem, was war, was ist und was sein wird.

Ein weiterer Schlüssel ist die bewusste Verbindung zwischen Innen und Außen. Zwischen der Erfahrung und der Verarbeitung und Integration der Erfahrung. So erkennen wir unsere Muster.

Ein weiterer Schlüssel ist der Wille: Auf diesem Weg gibt es schwere und anstrengende Momente. Da benötigen wir den Willen, um nicht aufzugeben.

Noch ein Schlüssel ist Vertrauen. Vertrauen, dass das Leben uns rechtens durch unsere Schatten lenkt.

Wie integrierst du einen Schattenanteil?

Kurz gesagt:

  • erkennen, was ist
  • annehmen, fühlen, was gefühlt werden will
  • verarbeiten, die Erfahrung schmieden, auseinandernehmen
  • integrieren, aufnehmen, auf die Erde bringen
  • leben, lieben, strahlen, transpersonale Verbindung nach Erden und Integration

Damit du das konkret auf dein Leben anwenden kannst, stelle ich dir hier eine wirkungsvolle Übung zur Verfügung. Genau genommen sind es zwei Übungen: Schritt 3 kannst du jederzeit mit einem Gefühl durchführen, dass bei dir gerade im Vordergrund steht. Dazu brauchst du nicht zuerst Schritt 1 und 2 durchzugehen.

Übung: Integration eines Schattenanteiles

1. Schritt: Den Schattenaspekt bewusst machen

Dazu gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Eine einfache Form ist es, zu schauen, was dich an anderen extrem stört.

Beispiele: Du findest jemanden zu faul, zu frech, zu lebenslustig, zu sexy, zu eingebildet etc.

Nimm ein Blatt Papier und halbiere es. Denke nun an die Menschen, die du kennst. Das können Menschen aus deinem persönlichen oder beruflichen Umfeld sein, aber auch Personen des öffentlichen Lebens.

Auf der einen Seite schreibst du, was du an den Menschen bewunderst. Auf der andere Seite, was du an ihnen verachtest. Wähle Eigenschaften und Charakterzüge aus, die intensive Gefühle bei dir auslösen.

Lies die Liste durch im Bewusstsein, dass auch du all diese Eigenschaften in dir trägst.

2. Schritt: Qualitäten der Aspekte erkennen

Jeder Aspekt hat zwei Seiten. Die Zerrform, also den Schattenteil davon, kennst du schon. Schau dir nun jeden Aspekt einzeln an und erkenne die Qualität darin.

Beispiele:

 – Angst schützt dich vor Gefahren

 – Naivität schenkt dir Leichtigkeit

 – Agressivität unterstützt dich darin, deine Grenzen zu setzen

Rufe dir nun Situationen in Erinnerung, in denen dir diese Qualitäten genutzt haben. Dann schenke dir Anerkennung dafür: tu dir etwas Gutes, mache dir ein Kompliment, lobe dich selbst, danke dir für diese Erfahrung.

3. Schritt: Integration

Wähle nun einen Aspekt aus deiner Schattenliste oder ein Gefühl, das dich gerade umtreibt. Stelle es dir als lebendiges Wesen vor und beobachte dieses Wesen einen Moment.

Wie zeigt er sich dir?

Ist er menschlich, tierisch, flüssig, formlos?

Wie ist seine Farbe?

Wie ist sein Geruch?

  • Nun eröffne das Gespräch. Sage diesem Aspekt: „Ich sehe dich. Ich nehme dich wahr. Du bist ein Teil von mir. Ich erkenne dich an und ehre dich. Ich bin bei dir.“

  • Frage dich nun, was du für deine Heilung brauchst. Lasse deinem Schattenaspekt Zeit für die Antwort. Die Antwort kann zu dir kommen in Form von Gefühlen, Worten, Bildern oder du weißt einfach Bescheid. Vielleicht braucht dein Schattenanteil deine Aufmerksamkeit, deine Umarmung, deinen Segen, deine Zuwendung usw.

  • Dann stelle dir vor, wie du deinem Schattenaspekt gibst, was er braucht. Es kann sein, dass er jetzt etwas braucht und du mit ihm abmachst, das mehrmals zu tun. Lass dir Zeit. Beobachte deine Gefühle dabei und lasse jede deiner Reaktionen zu. Während du deinem Anteil gibst, was er braucht, beobachte wie er sich verändert.

  • Wenn du fühlst, dass es gut ist, und der Schattenanteil sich verwandelt hat, nimm ihn in dich auf. Lass ihn in dich hineinfließen und verbinde dich völlig damit.

Du hast nun einen Schattenanteil integriert. Du kannst dies immer tun, wenn du ein unangenehmes, unwillkommenes Gefühl empfindest. Immer dann, wenn du dich verletzt fühlst. Am besten ist es, daraus eine achtsame Gewohnheit der Selbstfürsorge werden zu lassen.

Ich hoffe, dass diese Übung für dich funktioniert und dir Erkenntnisse bringen kann. Wenn du magst, kannst du mir gerne darüber berichten. Ich freue mich auch, wenn du meinen Beitrag mit anderen Menschen teilst.

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